Wenn jemand ein Placebo-Produkt einnimmt (in der Meinung, es sei ein Medikament mit Wirkstoffen), dann sagen viele Menschen: „Man muss nur daran glauben, dann wirkt es auch.“
Das ist nur bedingt richtig: Das Innere des Menschen, die Psyche, muss davon überzeugt sein, dass dieses Medikament wirkt und eine Erwartungshaltung bilden. Weil damit der Mittelpunkt der Krankheit berührt wird. Mit dem Ziel, dass man durch das Medikament geheilt wird.
Es kommt also nicht so sehr darauf an, was ich glaube, d. h. das ICH, das sich in meinem Gehirn befindet und das nur ein Teil meiner gesamten Psyche ist, sondern was diese, bezüglich des jeweiligen Themas erwartet (also welche Erwartungshaltung die Psyche hat), die das Gehirn dann umsetzt.
Wichtig sind Vorerfahrungen (Ähnlichkeiten) bezüglich wirksamer Medikamente und der authentischen Art des Gegenübers, der einem diese verschreibt.
Ausschlaggebend ist also ein Ziel, das den Menschen über einen Mittelpunkt des Placebo-Effektes – die Erwartungshaltung – gestaltet und ihn so gesundmacht. Es ist dann eine Verschiebung des Mittelpunkts der Krankheit zu dem der Gesundheit erfolgt.
Dadurch wird der Mittelpunkt der Krankheit, in dem man war, geschwächt oder ganz aufgelöst.
Das kann man natürlich nur machen, wenn die Psyche an der Krankheit einen wesentlichen Anteil hat. Je geringer, umso weniger wird das Placebo heilen können.
Placebo-Produkte werden nicht wirken, wenn sie von jemandem kommen, dem man nicht vertraut.
Auch bei Heilern ist dieser Effekt zu sehen. Also bei Menschen, die auf andere stark, im medizinisch-psychologischen Sinn, wirken können.
Diese können eine Erwartungshaltung hervorrufen, die ähnlich des Placebos ist.
Ergänzung
Wissenschaftliche Studien https://www.nature.com/articles/s41598-021-83148-6 weisen darauf hin, dass, auch wenn den Patienten gesagt wurde, dass sich das einzunehmende Medikament um ein Placebo-Produkt handelt, es trotzdem wirkt – wenn sie vom Arzt mit zusätzlichen Informationen versorgt wurden.
Meine Meinung dazu: Wenn sich Menschen unter fachlicher Aufsicht mit ihrer Krankheit auseinandersetzen, wirkt ihre Psyche auf sie: Es wird ein neues Ziel: https://www.karlheinzhermsch.de/ziele/ kreiert, das die Krankheit beeinflussen
kann.
Selbst wenn wir wissen, dass Tabletten, die wir einnehmen, keinen Wirkstoff enthalten, können sie Krankheitssymptome lindern. Das haben neuere Studien nachgewiesen.
Placebos funktionieren: Bei Erwachsenen, Kindern und sogar bei Tieren. In Tests hat man Probanden und Probandinnen Tabletten und Pillen ohne Wirkstoffe verabreicht, um bestimmte Symptome zu behandeln. Und dabei konnten Forschende beobachten, dass die Präparate den Betroffenen in vielen Fällen eine gewisse Linderung verschaffen konnten.
"Man geht so vor, dass man ein Medikament immer zusammen mit einem Placebo über eine gewisse Zeit einnimmt, sodass dann etwas wie eine Kopplung entsteht."
Bisher galt die vorherrschende Annahme, dass Placebos nur dann wirken, wenn die damit behandelte Versuchsperson nicht weiß, ob es sich bei einer Tablette um ein Placebo oder tatsächlich um ein Medikament handelt.
Diese Annahme scheint jetzt durch neuere Studien widerlegt worden zu sein. Zum Beispiel durch einen Versuchsaufbau, den die Psychologin Dilan Sezer mit einem Forschungsteam entworfen hat. An der Uni Basel erforscht sie die Wirkung von Placebos.
Die Forscherin und ihr Team forderten Probandinnen und Probanden dazu auf, sich an eine Situation zu erinnern, in der sie einer vertrauten Person unrecht getan hatten. Daraufhin bekamen manche der Teilnehmenden ein Präparat gegen ihre Schuldgefühle, andere hingegen nicht.
Die Teilnehmenden wurden für diesen Versuch in drei Gruppen aufgeteilt:
Versuchspersonen, die das Placebo einnehmen sollten, wurde gesagt, dass das Präparat trotzdem helfen könnte. Die Forschenden sagten den Probanden, dass zum Beispiel Erwartungen hilfreich sein könnten. Oder auch, dass der Körper automatisch auf die Einnahme von Pillen reagieren kann und dass es so zu einer Wirkung kommen könne.
Interessant war für die Forschenden, sagt die Psychologin Dilan Sezer, dass auch die Menschen, die ein Placebo geschluckt hatten, angaben, dass es ihnen danach besser ging.
Dieses Ergebnis entspricht den Resultaten aus anderen neueren Studien, die belegen, dass offen verabreichte Placebos helfen können. Unter anderem zum Beispiel bei Migräne, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Reizdarmsyndrom und Hitzewallungen in der Menopause.
Das widerspricht dem, was Forschende lange Zeit angenommen haben: Dass Placebos nur wirken, weil die Patienten und Patientinnen davon ausgehen, dass sie tatsächlich die benötigten Medikamente einnehmen.
Genau kann man diese Wirkungsweise noch nicht erklären, sagt Dilan Sezer. Aber es gibt ein paar Annahmen, um dieses Phänomen zu erklären.
Forschende gehen davon aus, dass der Körper über die Zeit lernt, dass die Einnahme von Pillen mit einer Verbesserung oder einer Erleichterung einer gewissen Beschwerde zusammenhängt.
Das könnte automatisch gewisse Prozesse im Körper in Gang setzen, die dann auch auf neurobiologischer Ebene nachgewiesen werden könnten, lautet der Erklärungsansatz von Dilan Sezer.
Ein weiterer Effekt, der für die langfristige Behandlung von Krankheiten künftig eine Rolle spielen kann: Medikamente und Placebos gemeinsam zu verabreichen. Das führt zu einer Art Koppelung, sagt die Psychologin. Und es gehe soweit, dass man in manchen Fällen nach einer gewissen Zeit die Dosis des tatsächlichen Medikaments reduzieren oder es ganz weglassen kann, sagt Dilan Sezer.
Die Einnahme laufe so unterbewusst ab, dass die Information darüber, ob das Präparat einen Wirkstoff enthält – oder nicht, keine große Rolle mehr spielt. Denn es lässt sich zum Beispiel nachweisen, dass der Körper nach der Einnahme körpereigene Opioide ausschütten kann, die auch Schmerzen lindern.
Aber auch die bewusste Erwartung spielt eine Rolle – deswegen ist wohl der Hinweis wichtig, dass die Zuckerpillen wirken können. Auch das Vertrauen zu der Person, die einem die Pillen gibt, spielt eine Rolle, sagt Dilan Sezer. All diese Effekte könne man bei Therapien mit Medikamenten nutzen, ganz ohne zu behaupten, dass man ein Medikament verabreicht, wenn es sich in Wirklichkeit um ein Placebo handelt.