Man sollte unterscheiden zwischen dem plappernden und dem konzentrierten, fragenden, kognitiven Denken. Das erstere findet quasi ständig in unseren Köpfen statt. Auslöser ist ein altes Verhaltensmuster, die allgemeine Aufmerksamkeit – ähnlich einem pickenden Vogel, der die Umgebung aufnimmt, um bei Gefahr schnell reagieren zu können. Dadurch können im Gehirn des Menschen Mittelpunkte angereizt werden, die zur verstärkten Aufmerksamkeit führen, und durch die Mittelpunkt-Mechanik die Psyche beeinflussen.
Das unabsichtliche Denken hat zur Folge, dass Themen angereizt werden und eventuell Mittelpunkte aktivieren, die einen von der aktuellen Tätigkeit ablenken.
Gegen den Anprall des ständigen Schnatterns der Gedanken können Achtsamkeitsübungen, Meditation helfen.
Im Allgemeinen ist dieses kontinuierliche Abfragen nützlich; kann aber auch zu viel werden.
Denken ist ein Wechselspiel bezüglich eines Zieles (einer Frage oder eines Themas): Zwischen der allgemeinen Aufmerksamkeit, bzw. dem Bewusstsein (verstärkte Wahrnehmung der Informationen) und dem Geist im Gehirn.
Denken heißt ja immer: ein Impuls, der die Konzentration auf ein Thema, ein Ziel auslöst, und was einem dann zu den gestellten Fragen vom Gehirn – seinen riesigen organischen Netzwerken – einfällt.
Denn in sich selbst findet sich alles, was der Mensch an Ererbten und Erfahrenem in sich trägt – in welcher Form auch immer.
Es intensiviert das Bewusstsein (die Sensorik). Dadurch wird der Geist verstärkt, um diesbezüglich Informationen einzuholen.
Dies aktiviert Neuronennetze (Mittelpunkte), und veranlassen den Geist, hier nach Erfahrungen oder Ähnlichkeiten bezüglich des Themas zu suchen.
Ergebnisse, die dem Ziel besonders nahe kommen, werden durch verstärkte Aufmerksamkeit bewusst und lenken den Geist in diese Richtung.
Dieser Prozess des Denkens: Mittelpunkte > Bewusstsein > Mittelpunkte geht so lange, bis man ein stimmiges Gefühl hat, nicht mehr weiterkommt oder es etwa von einem anderen Thema abgelöst wird.
Das Gehirn vergleicht und bietet Alternativen an.
Es macht Vorschläge, antizipiert diese und nimmt Resultate vorweg – das Bewusstsein lebt diese und gibt die Informationen an das Gehirn zurück.
Dies ist der Ablauf des Denkens.
Und nebenbei: Konzentriertes Denken ist immer bewusst.
Warum kann kaum ein Mensch einsehen, dass sein Gehirn (zu dem natürlich auch das ICH mit seinen Zielen und Willen gehört) ihn steuert?
Antwort: Weil das Gefühl ihm etwas anderes vermittelt; nämlich, dass er alles mit seinem Willen bestimmt.
Gefühle sind Steuerungsmechanismen, die sehr viel Macht und Überzeugungskraft über den Menschen haben können.
Sein Gefühl sagt ihm, dass er sich selbst steuert, mit seinem Bewusstsein – weil das die Erfahrung der Gefühle ist und nicht infrage gestellt wird.
Rationale Erklärungen wie: alles entscheidet das Gehirn oder es gibt keinen "freien" Willen, haben in der Regel so gut wie keinen Einfluss. Weil dies das angenehme Gefühl der Freiheit beschränken würde.
Fragt sich aber trotzdem mal der eine oder andere, ob dieses Gefühl richtig ist, dass er den freien Willen hat, mit seinem ICH, bzw. seinem Bewusstsein zu entscheiden, dann wird das Gehirn trotzdem dazu "ja" sagen. Denn es gibt oft schnelle und nicht genau durchdachte Antworten. Es ist ihm einfach zu mühsam, das Stirnhirn intensiver einzuschalten und damit zu versuchen, dies Gefühl zu bestätigen oder zu widerlegen.
Hinzu kommt vielleicht noch die Angst, dass man tatsächlich keinen freien Willen hat, und die Ansicht, ausschließlich mit seinem (metaphysischen) Bewusstsein zu entscheiden, nichts anderes
als Einbildung ist.
Will man dem Denken also auf den Grund gehen, muss sich das Gehirn, speziell das Stirnhirn, ausführlich damit beschäftigen.
Dies geschieht sehr gut durch Selbstbeobachtung.
Was gefunden wurde, wird einem mehr oder weniger bewusst. Z.B. durch eine Anschauung, durch Bilder, Schemata, Gestaltungen, Gefühle.
Dadurch werden also Informationen – von außen und innen – durch die verstärkten Sinne aufgenommen, die das Bewusstsein dann an das Gehirn zurückspiegelt, das damit wieder eine modifizierte Antwort kreieren kann –diese Lösungen eventuell akzeptiert oder verwirft und dann gegebenenfalls weitersucht. Bis, in der Regel, das Gefühl einem vermittelt, dass das, was man wissen wollte, ausreichend beantwortet wurde.
Eine Anmerkung zum Bewusstsein: Wer glaubt, dies alles entscheidet der Mensch mit seinem Bewusstsein, der müsste erklären, woher die Informationen kommen, die das Bewusstsein braucht, um zu entscheiden. Und er wird nicht darum herkommen, zu sagen, dass sie aus dem Gehirn stammen. In der Folge müsse das Bewusstsein auch Zugriff auf das Gehirn haben und das herausfinden, was für die Entscheidung richtig ist. Dies wäre jedes Mal eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nehmen würde, weil die Informationsmenge im Gehirn riesig ist. Das Bewusstsein müsste das gesamte Gehirn unter Kontrolle haben. Also alles, was man gelernt hat, was man ererbt hat, was sich zwischenzeitlich geändert hat, usw. Und ein Bewusstsein dieser Art müsste dann entsprechend der Entscheidung auswählen, zusammenstellen und eine Lösung kreieren.
Diese Art von Bewusstsein ist nirgendwo zu finden, geschweige denn nachzuweisen.
► Es taucht eine Frage auf.
► Woher kommt die?
► Aus dem Gehirn! – Und hier aus einem Ziel, das erreicht werden soll (die Frage zu beantworten). Auch Impulse von der Außenwelt passieren erst das Gehirn.
► Immer, wenn eine Frage auftaucht, gibt das Gehirn zunächst eine Antwort – niemals das Bewusstsein.
► Auch wenn das ICH die Antwort gebe, kommt diese aus dem Gehirn – weil sich das ICH mit seinen Zielen im Gehirn befindet.
► Wenn etwas wichtig ist, wird es einem bewusst.
► Das Bewusstsein nimmt mit verstärkten Sinnen Informationen für das Gehirn auf.
► Dann können weitere Fragen auftauchen.
► Dies geht so lange hin und her, bis das Gehirn die Entscheidung getroffen hat, dass das Ziel mehr oder weniger erreicht wurde. Dies wird in der Regel abschließend ebenfalls bewusst.
► Dadurch glaubt der Mensch, er selbst habe, mit seinem Bewusstsein, diese Entscheidung getroffen.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zu dem Satz von Descartes: „Ich denke, also bin ich.“
Hinzufügen möchte ich: „Ich bin, weil ich u. a. denke."