Bewusstsein entsteht zum einen durch verstärkte Wahrnehmung mit den Sinnen (der Sensorik*), wenn bestimmte Schwellen überschritten werden. Diese aktivieren natürlich auch sofort alle davon betroffenen Neuronennetze, um reagieren zu können.
Zum anderen das, was man bewusst macht – das Mitwissen – (weit mehr als 90 % läuft unbewusst ab).
Auch dies Bewusstsein (als Konzentration) ist nur durch verstärkte Wahrnehmung mit der Sensorik möglich.
(*Sensorik ist das Aufnehmen von Umgebungsreizen und Körperzuständen und deren Weiterleitung.)
Die Funktion des Bewusstseins ist, etwas näher zu betrachten.
Das Bewusstsein kann, aus Mangel an Informationen, allein keine Entscheidung treffen. Auch der menschliche Geist (als Informationssucher in den Neuronennetzwerken) kann durch seine Aktivitäten nur Teilinformationen beisteuern.
Letztlich sind Entscheidungen: konzertierte Ergebnisse aus vielen Neuronennetzwerken, um Ziele zu erreichen.
Der Glaube, wir steuern uns mit unserem Bewusstsein, wird kaum hinterfragt, weil das Gefühl uns dies mit scheinbarer Evidenz aufdrängt.
So erleben wir uns in der Regel als Person, in der das Bewusstsein alle Entscheidungen trifft.
Das Gehirn wird als Hilfsmittel angesehen: als Träger des Gedächtnisses. Darüber hinaus wird anerkannt, dass hier ererbte Anlagen und erlernte Fähigkeiten gespeichert sind.
Weniger klar ist man sich oft, dass es ebenfalls alle Gefühle, das Denken, Sprechen usw. reguliert.
Denn schaut man genauer hin, kann realisiert werden, dass das Gehirn uns lenkt, in dem sich auch das ICH (d.h. dessen Ziele) befindet. Dies ist ein wesentlicher Mitstreiter und Entscheider.
(Für das normale, tägliche Leben ist es allerdings in der Regel unerheblich zu wissen, dass das Gehirn einen steuert: Man agiert und reagiert auf das für einen wichtige Geschehen.)
Interessant ist es aber für alle, die wissen wollen, warum es Bewusstsein gibt:
1. Das Gehirn zeigt uns die Welt nach seinen Zielen. (Es ist allgemein bekannt, dass es die Welt selektiert.)
2. Das Bewusstsein sieht sie in dieser Form plus das, was die Sensorik zusätzlich aufnimmt.
3. Dieses modifizierte Bild sendet es wieder an das Gehirn. Entscheidet dies, dass es wichtig ist, wird verstärkte Aufmerksamkeit in den Sinnen erzeugt.
4. Diese zeigen uns dann die Welt, die sich durch die Informationen gegebenenfalls verändert hat.
5. Das Bewusstsein sieht sie jetzt in dieser Form plus das, was darüber hinaus jetzt die Sinne aufnehmen.
6. Diese Informationen sendet es wieder an das Gehirn.
7. usw.
Diese Sequenzen wiederholen sich ständig im Millisekunden-Takt. Je nach Wertigkeit, mit der normalen Aufmerksamkeit oder mit verstärkten Sinnen (Bewusstsein).
Also: Was man z. B. sieht, wird zunächst ausschließlich vom Gehirn gemacht, das es uns, aufgrund seiner Ziele, zeigt. Dann wird das von der Sensorik Erlebte an das Gehirn gesendet, das es verarbeitet. Und dem Bewusstsein daraufhin, je nach der Abweichung, eine korrigierte Sicht zeigt.
Daher wird dem Bewusstsein auch erst Millisekunden, nachdem das Gehirn entschieden hat, dieses bewusst.
Denn immer entscheidet das Gehirn, weil es unzählige Informationen in sich hat, nach seinen Zielen. Niemals entscheidet das Bewusstsein, weil es nur erlebt und sehr eingeschränkt ist bezüglich dessen, was die Sinne gleichzeitig vom Gehirn aufnehmen können.
Und nur durch ausreichende Informationen können angemessene Entscheidungen getroffen werden.
Daraus folgt sehr deutlich: Das Bewusstsein bzw. die normale Aufmerksamkeit kann die Welt nicht ausreichend für Entscheidungen deuten, weil dies die Domäne des Gehirns ist; es nicht dessen Informationen besitzt.
Das Gehirn kann die Gegenwart nicht klar genug erfahren, braucht diese Informationen der Sensorik, um seine Deutung der Welt eventuell zu korrigieren und anders zu entscheiden.
Die Sinne (Aufmerksamkeit, Bewusstsein) erleben durch die Reiz-Strukturen in der Außenwelt und vergleichen diese mit den Vorlagen der Neuronennetzwerke.
Diese Erfahrung wird dann im Gehirn aufgenommen – wenn es einen Wert für das Gehirn hat – und verarbeitet.
Das Bewusstsein entscheidet natürlich nicht. Das Gehirn entscheidet nach den in ihm befindlichen Informationen und Zielen.
Bekommt es keine aktuellen Informationen, kann es natürlich nur danach urteilen, was in ihm ist.
Letztlich geht es um Wahrnehmung. Entweder die normale, die mehr allgemein gehalten ist (etwa sich durch eine bekannte Umgebung zu bewegen). Oder eine aufmerksame, bewusste, durch Verstärkung der Sinne (z. B. wenn man in einer unbekannten Gegend ist).
Wahrnehmung hat also die Aufgabe, durch Erleben dem Gehirn Informationen zu geben. Damit werden gegebenenfalls neue Lernprozesse generiert, Korrekturen vorgenommen, Einstellungen geändert, Ziele aktiviert usw.
Das Gehirn entwirft Vorschläge, antizipiert diese, nimmt Resultate also vorweg – die Aufmerksamkeit bzw. das Bewusstsein erlebt und überträgt die daraus resultierenden Sichtweisen und Informationen an das Gehirn.
Wenn uns aktuell etwas wichtig ist, gefährliches, Ungewöhnliches oder Neues auftritt, Entscheidungen oder Aktivitäten der Neuronennetze eine gewisse Schwelle im Gehirn überschreiten, verstärkt es unsere Sinne. Dadurch nimmt man die Außen- und Innenwelt intensiver, bewusst wahr. Man erlebt sie eindringlicher.
Die verstärkten Sinne, also das Bewusstsein, senden dann die aufgenommenen Informationen an das Gehirn – besonders an die davon betroffenen Neuronennetze, die (größtenteils mit ihren Gefühlen) eventuell eine Änderung der Bewertung und Einstellung vornehmen. Dies Ergebnis wird wieder wahrgenommen, usw.
Entscheidet sich das Gehirn letztlich gegen das Gefühl, dann kann man ein schlechtes Bauchgefühl bekommen. (Dies erfolgt aufgrund ähnlicher Erfahrungen in der Vergangenheit – d. h., es belegt daher nicht mit unumstößlichen Fakten, dass die Entscheidung aus dieser Situation falsch ist, weil diese oft nicht deckungsgleich sind.)
Das Gefühl entsteht, weil man das Ziel, die Entscheidung in einer anderen, aber ähnlichen Situation, die etwa das Bauchgefühl forciert, nicht durchführt.
Es ist die Natur der Ziele: Wird ein Ziel nicht erreicht, dann drängt es mit Gefühlen, dies weiterzuverfolgen.
Anhang: Definition des Denkens
Denken ist ein Prozess, der in sich selbst sucht – ausgehend von den Zielen des Denkers (seine Mittelpunkte, d. h. neuronale Netze) – um Antworten auf Fragen zu erhalten.
Hier findet sich alles, was der Mensch ererbt und erlebt hat – in welcher Form auch immer.
Daraus ergibt sich die Schleife: Frage>Antwort>Erneut Frage>An-Antwort usw.
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